Rauchschwalbe (Hirundo rustica)
Ihren Namen hat die Rauchschwalbe auf grund des Brütens in Kaminen, Schornsteinen und Rauchfängen erhalten.
Wegen ihrer rostroten Kehle und Stirn wird sie auch als "Feuer- oder Blutschwalbe" bezeichnet. Abgesehen davon ist dieser ca. 19 cm lange Vogel an der Oberseite und am Brustband metallisch blauschwarz gefiedert, wobei die Männchen einen deutlicheren Metallglanz aufweisen als die Weibchen. Die restliche Brust und die gesamte Unterseite (Bauch und Flanken) sind weißlich-rahmfarben bis hell-rosa gefärbt.
Der auffällig tief gegabelte Schwanz ist bei den Männchen etwas länger und kann deshalb oft zur Geschlechtsbestimmung herangezogen werden.
An der Unterseite der Schwanzfedern sind zwei weiße Flecken sichtbar. Der Schnabel der Rauchschwalben ist schwarz.
Abgesehen von diesem recht gut zu unterscheidendem Äußeren ist auch die Stimmäußerung der Rauchschwalbe sehr einprägsam und auffällig. Am häufigsten ist ein plauderndes, langgezogenes Gezwitscher mit tiefen Schnurrern am Ende der Strophen zu hören. Dieses Zwitschern wird auch von den Weibchen und Jungvögeln vorgetragen. Die häufigsten Lock- bzw. Kontaktruf sind ein einfaches bis mehrsilbiges "wi" bzw. "wid wid", das bei Gefahr zu einem hohem "ziwitt" ("zidit") wird.

Nahrung
Rauchschwalben ernähren sich von Fluginsekten bis zur Größe von Honigbienen. Hauptsächlich jagen sie Fliegen, Mücken und Käfer, je nach lokalem Insektenangebot. Oft jagen die Rauchschwalben zusammen mit Mehlschwalben, allerdings im Luftraum unter diesen, knapp über dem Boden. Mehlschwalben dagegen erbeuten die Insekten im freien Luftraum. Diese werden mit Fluggeschwindigkeiten zwischen 25 und 50 km/h erbeutet. Für die Aufzucht einer Schwalbenbrut mit vier bis sechs Jungen werden etwa 1,2 kg, d.h. schätzungsweise 120 000 Insekten benötigt (siehe Faltblatt "BirdLife", Schweiz).

An regnerischen und wolkigen Tagen können die Schwalben verstärkt über Gewässer-oberflächen von Gräben und kleinen Bächen sowie über feuchten Wiesen, die sich in der Nähe der Ortschaften befinden, bei der Jagd beobachtet werden. Bei schlechtem Wetter werden auch Insekten und Spinnen auch im Flatterflug von Stall- und Häuserwänden abgelesen werden.

Im Winterquartier bilden Termitenschwärme und Moskitos eine beliebte Beute. Getrunken und gebadet wird im Flug.

Brutbiologie
Die Rauchschwalben brüten ausschließlich in den nördlichen Breiten, sowohl in Europa und Asien, als auch in Nordamerika. In ihrem Überwinterungsgebiet südlich des Äquators finden keine Bruten statt.

Die Tiere treffen frühestens Ende März/Anfang April in unseren Breiten ein. Im Kohrener Land werden die ersten Tiere meist um den 10. April beobachtet. Hier beginnen sie mit der Balz und der Paarbildung. Rauchschwalben bilden in der Regel monogame Saisonehen, aber auch Bigamie ist nicht selten. Treue zum Partner des letzten Jahres ist keine Seltenheit, aufgrund der geringen Lebenserwartung kommt es jedoch auch oft zu Neuverpaarungen zu Beginn der Brutsaison. Innerhalb der Saison ist dies nur nach Verlust des Partners beobachtet wurden.

Nach der Paarbildung beginnen beide Partner mit dem Nestbau. Hierbei ist meist das Männchen für die Nistplatzwahl zuständig. Gerne werden bereits aus den Vorjahren bestehende Nester genutzt. Besonders die Männchen sind sehr Brutorttreu und kehren jedes Jahr in ihre angestammte Umgebung zurück. Am Bau des Nestes sind beide Partner in gleichem Ausmaß beteiligt und 8 - 12 Tage (Mitte der Saison oft nur noch 3 - 4 Tage) beschäftigt.

Für den Nestbau werden vor allem Stroh und Lehm verwendet, die mit Speichel verklebt werden. Zur Auspolsterung dienen Heu, Tierhaare und Federn.

Ende April/Anfang Mai beginnt dann die erste Brutperiode. Das Weibchen legt 3 - 6 (selten 2 oder 7) Eier und bebrütet diese allein. Nach 12 - 16 Tagen schlüpfen die Jungen, die Brutzeit kann sich jedoch durch ungünstige Witterungsbedingungen (Kälte, Regen,...aber auch lange Hitzeperioden) verlängern.

Nach einer Nestlingszeit von 18-22 Tagen verlassen die Jungen das Nest. An der Jungenaufzucht sind beide Elternteile beteiligen. Auch nach Verlassen des Nestes halten sich die Jungtiere noch in dessen Nähe auf und werden noch einige Tage von den Altvögeln gefüttert. Auch später kommen sie häufig über Nacht zum Brutplatz zurück, bevor sie sich an Schlafplätzen im Schilf sammeln. Im Juli beginnen die meisten Rauchschwalbenpaare eine 2. Brut. Für diese kann das Nest der ersten Brut genutzt oder aber ein ganz neues bezogen werden. Oft richtet sich das nach dem Bruterfolg der ersten Brut. Bei starkem Parasitenbefall wird es meist vorgezogen ein neues Nest zu bauen, statt das befallene noch mal zu nutzen. Meist sind die Gelege zu dieser Zeit kleiner (bis 5 Eier). Nach dem Schlupf etwa im August haben diese Jungen durchaus eine gute Chance bis zum Zug Richtung Afrika kräftig genug zu sein.

Bei günstiger Witterung können Paaren, die mit beiden Bruten sehr früh begonnen haben auch noch ein 3. Gelege ausbrüten. Dies ist allerdings eher selten und oft erfolglos (H. Brombach, 2004), wenn aufgrund von Kälteeinbruch die Gelege verlassen werden müssen. Allerdings wurden auch schon Junge, die Anfang September geschlüpft sind erfolgreich aufgezogen.

Einjährige Tiere und Altvögel, die keinen Brutpartner gefunden haben beteiligen sich oft an der Aufzucht fremder Jungschwalben mit. Diese sogenannten Helferschwalben müssen in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu dem Brutpaar stehen, sind jedoch oft Jungtiere mindestens eines der beiden Partner aus dem Vorjahr.

Ansonsten siedeln sich die Jungtiere meist nicht direkt am Geburtsort an, sondern in einiger Entfernung, so dass Inzuchtpaarungen zum Großteil vermieden werden. Ab September verlassen die adulten Schwalben ihr Brutgebiet, Jungvögel schließen sich meist schon früher zusammen und ziehen eine Zeit lang im Umkreis von ca. 200 km um ihren Geburtsort umher, bevor sie ins Überwinterungsgebiet aufbrechen. Brutpartner reisen selten gemeinsam ab, meist geschieht das gestaffelt innerhalb weniger Tage. (Glutz, 1985)

Bestand und Bedrohung
Als ausgeprägter Kulturfolger und "Gebäudeinnenbrüter" ist die Rauchschwalbe besonders bei der Wahl ihres Brutplatzes auf den Menschen angewiesen.
"Der Rauchschwalben-Bestand in Europa wird auf 16 bis 36 Millionen Brutpaare geschätzt. In Mitteleuropa brüten davon etwa 4 bis 6 Millionen Paare, mit Schwerpunkten in Russland, Bulgarien, Polen und Deutschland. In Deutschland und seinen (vor allem westlichen) Nachbarländern gehen die Zahlen seit den 70er Jahren merklich zurück. Im Osten und Süden Europas gelten sie bisher noch als stabil." (www.nabu.de)
Im Mönchgladbach konnte nach einer Zählung des NABU 1999 ein Vergleich zu dem Bestand Anfang der 1960er Jahre angestellt werden. Danach hat sich die Zahl der Brutpaare in dem Gebiet halbiert. (siehe auch unter www.online-club.de) Ein ähnlicher Trend ist für ganz Deutschland anzunehmen.
Nach diesen Zahlen wurde die Rauchschwalbe in Deutschland und den Niederlanden von der Gesellschaft "Birdlife International" als "rückgängig" eingestuft und in die Kategorie V (Vorwarnliste) auf der Roten Liste eingetragen. "Birdlife International" ist ein Zusammenschluss von Naturschutzorganisationen aus 100 Staaten der Erde und kann dadurch über Grenzen hinaus für den Naturschutz agieren. (www.nabu.de oder www.birdlife.org)

Anhand von Hochrechnungen innerhalb von großräumigen Bestandsbeurteilungen ergibt sich für Deutschland die Zahl von ca. 920.000 bis 1.500 000 Brutpaare. (Sachsen: 1993-96: 40.000 - 120.000 ? Tendenz: abnehmend)
Allerdings sind lokale Bestandsschwankungen um 20 bis 30 % durchaus normal und werden ebenso wie zugbedingtes Massensterben (aufgrund von Schlechtwettereinbrüchen) in den Folgejahren kompensiert.
Der Grund für den Rückgang ist vor allem auf den zunehmenden Nistplatz- und Nahrungsverlust in den Brutgebieten durch die seit Jahren stattfindenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen in den dörflichen Siedlungsgebieten zurückzuführen.

Hauptsächlich betrifft dies die Umstellung der extensiven Tierhaltung bzw. des Ackerbaus auf großflächige und intensive Produktionseinheiten, in deren Konsequenz sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe dramatisch verringerte. So vollzogen sich besonders in Deutschland, den Niederlanden und in Dänemark in den letzten Jahren deutliche und einschneidende Veränderungen in der Schweinehaltung. In den nun vollklimatisierten geschlossenen Ställen werden die Fenster über Klimacomputer geöffnet. (Glutz 1985) Die traditionellen Brutmöglichkeiten wie Wasser-, Stromleitungen sowie Lampen sind sparsamer dimensioniert und damit für die Schwalben unattraktiv. Mastställe werden nach dem Rein-Raus-Prinzip bewirtschaftet. Das heißt es erfolgt eine gründliche Reinigung mit Hochdruckreinigungs-geräten und Desinfektionsmitteln, die auch die Nester der Schwalben nicht verschonen. (www.natura2000.munlv.nrw.de)

Stallfliegen werden in den Betrieben mittels Biozide vernichtet, da sie oft in Verdacht stehen Krankheiten auf den Viehbestand zu übertragen. Dadurch geht den Rauchschwalben allerdings eine wichtige Nahrungsgrundlage verloren. (Beispiele unter: www.agravisag.de).

Generell zwingt die zunehmende Verstädterung der Dörfer, die mit einem Umbau und einer Nutzungsänderung von Ställen sowie einer Versiegelung des Umlandes einhergeht, die Rauchschwalbe zur Auswahl neuer Brutmöglichkeiten. So werden zunehmend Lager- und Fabrikhallen, Garagen, Toreinfahrten, Schuppen, Hausflure, Bodenkammern u.a. von der Rauchschwalbe als zugängliche Orte gewählt. Bei günstigen Bedingungen kann es hier zu einer hohen Konzentrationen von Rauchschwalben kommen. Untersuchungen zeigten, dass verglichen zu den traditionellen Brutplätzen in Ställen (aufgrund der Körperwärme der Tiere "Warmräume" genannt), in den Ausweichquartieren ("Kalträume") die Bruten später stattfinden und auch weniger Junge schlüpfen.

Dies wird auch am Beispiel von Hermann Brombach deutlich, der in den Jahren 1959 - 1968 Rauchschwalben auf 20 Höfen im Raum Leverkusen/Köln untersucht hat. Als er diese Brutplätze 1996 nochmals aufsuchte existierten noch 8 davon, alle anderen wurden durch Wohnungen ersetzt. Dieses Beispiel verdeutlicht den Trend in ganz Mitteleuropa. (siehe H. Brombach (2004) "Die Rauchschwalbe")

Hinzu kommt die überall vollzogene Trockenlegung von Gräben und feuchten Wiesen die außerdem dazu führt, dass den Schwalben diese Strukturen, die für die Jagd nach Insekten wichtig sind, nun fehlen. Zusätzlich zu den Schwierigkeiten im Brutgebiet kommen noch die direkte Verfolgung der Jagd im Durchzugs- und Überwinterungsgebiet, da Singvögel dort als Delikatessen verkaufen.